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Warum FLST unter Firefox 57 nicht mehr funktioniert, und warum ich daran nichts ändern kann

Dienstag, 28. November 2017

FWW-FLST Logo-Grafik

Vor einigen Tagen wurde Firefox 57 veröffentlicht (auch unter dem Namen “Firefox Quantum” bekannt), und wer keine Add-Ons installiert hat, wird vor allem eines gemerkt haben: Der Browser ist merklich schneller geworden und auch das Font-Rendering auf Webseiten ist nun schöner.

Alles in allem also ein toller Fortschritt – oder?

Nun ja – Langjährige Firefox-User, die seit über 12 Jahren Funktionalitäten zu schätzen gelernt haben, die nur mit Add-Ons realisierbar waren (zum Beispiel das von FLST implementierte Tab-Flipping per Klick auf den aktuellen Tab… ;-), aber auch: Tab-Scrolling durch alle offenen Tabs durch Drehen des Mausrades auf der Tableiste; bunte Tabs usw.) werden das anders sehen. All ihre geliebten Add-Ons funktionieren auf einen Schlag nicht mehr. So auch mein Add-On “FLST (Focus Last Selected Tab)” mit seiner wohl tatsächlich von einer Vielzahl von Usern jetzt schmerzlich vermissen Tab-Flipping-Funktion.

Warum? Weil Mozilla die XPCOM/XUL-API, die die Grundlage für alle Add-Ons war, einfach “abgeklemmt” hat. Das Killer-Feature von Firefox, nämlich die Erweiterbarkeit durch Add-Ons (und zwar nicht nur “optische Erweiterbarkeit” wie bei Skins/Themes oder Erweiterbarkeit um bestimmte Website-spezifische Aktionen wie bei Chrome-Extensions), welches für viele eingefleischte Firefox-Fans das Hauptargument war, bei diesem Browser zu bleiben (denn langsamer als Chrome war er schon immer…), ist damit einfach weg. Einfach so.

Begründung von Mozilla: Die XUL-API habe Firefox verlangsamt und sei unsicher gewesen, da Add-Ons im Prinzip die komplette Kontrolle über den Browser (nämlich: über seine Oberfläche, seine Funktionalitäten, sein Aussehen, sein Verhalten) hatten.

Stimmt soweit – aber genau das war ja der Punkt, der die Add-Ons und damit die gesamte Firefox-”Biosphäre” so interessant gemacht hat!

Absurd ist das deshalb, weil mit der Einführung von Add-On-Signaturen das Problem der Sicherheit von XUL-Add-Ons eigentlich schon gelöst oder zumindest gelindert wurde, und weil die neuen WebExtensions “nur noch” so Sachen machen dürfen, wie… JavaScript in Seiten injizieren. Ja, richtig gelesen. Mein FLST darf nicht mehr den Klick auf die Tab-Leiste abfragen, aber JavaScript in jede beliebige Seite injizieren (nachdem ich bei der Installation einmal um Erlaubnis gefragt habe), dürfte es! Da schüttelt man doch den Kopf.

Und jetzt? Die erwähnten WebExtensions sind der neue Weg, Erweiterungen für Mozilla zu schreiben. Vorteil soll sein, dass diese (fast) unverändert kompatibel zu Chrome sind (oder gemacht werden können) und weniger tief in den Browser eingreifen. Damit soll der Browser insgesamt wartbarer werden, schneller, sicherer.

Und das stimmt sogar. Ja, alles wirklich valide Argumente aus Sicht der Entwickler! Vielleicht lassen sich damit neue User gewinnen, und klar: der neue Firefox ist schnell und sieht gut aus! Aber meiner Meinung nach hat sich Mozilla hier den Ärger all derer selbst eingehandelt, die über Jahre hinweg die größten Verfechter waren und selbst gegenüber anderen, die immer meinten, Firefox sei langsam(er), argumentierten, das habe gute Gründe und dafür sei er von den Features her auch viel mächtiger.

Jetzt ist er es jedenfalls nicht mehr.

Schade!

Wie geht es nun mit den “Legacy-Add-Ons” weiter? Einige simple Funktionen lassen sich sicher in WebExtensions abbilden, aber gerade die Add-Ons, die die vermeintlich einfachsten Features (wie FLST) implementiert haben, lassen sich auf der neuen API einfach nicht mehr implementieren. Weil, “geht halt nicht”! Punkt!

Ganz konkret scheitert es im Falle von FLST am Fehlen eines bestimmten Event-Listeners (nämlich dem für Klicks auf der Tableiste bzw. auf Tabs). Und ich scheine mit meinem Add-On nicht der Einzige zu sein, der sich diesen (oder auch Events für Rechtsklicks/Linksklicks/Mausradklicks/Mausrad-Bewegung auf der Tableiste) wieder herbeiwünscht – ein Blick in den Mozilla-Bugtracker unter der ID 1246706 zeigt hitzige Diskussionen (Tipp: auch die als “unangemessen” gemeldeten Beiträge mal einblenden…) ;-)

Was soll ich sagen: der Bug ist im Status “RESOLVED – WONTFIX”. Was soviel heißt wie: “Gibbet nich. Wird nicht mehr implementiert. Basta.”

Also – allen, die sich in den vergangenen Tagen darüber geärgert haben, dass mein Add-On nicht mehr funktioniert, oder mich angeschrieben und darum gebeten haben, dass ich das Add-On für Firefox 57 aktualisiere, sei gesagt: Ich würde ja gerne – aber es gibt einfach technisch keine Möglichkeit! Bedankt euch bei Mozilla! ;-P

Tipp: wer FLST weiter nutzen möchte, kann noch bis Mitte nächsten Jahres auf die (in erster Linie für Unternehmen mit “konservativerer” Update-Politik gedachte) sogenannte ESR-Version von Firefox zurückgreifen. Dort werden bis voraussichtlich Juni 2018 noch XUL-Add-Ons unterstützt. Danach ist, wie es aussieht, auch hier Schluss.

Sollte sich an Mozillas Haltung etwas ändern bzw. bestimmte APIs wieder eingeführt werden, werde ich gerne nochmal einen Anlauf unternehmen. Für jetzt ist das Projekt “FLST als WebExtension für Firefox 57+” allerdings erstmal begraben.

Euer Fabian

FLST aktualisiert, neues Tool veröffentlicht

Samstag, 09. Januar 2016

Seit letzter Woche gibt es ein kleines Update zu "Focus Last Selected Tab", welches ein kleines Problem mit Firefox 42 und höher aus dem Weg räumt (ein Klick auf den neuen Tab-Mute-Button löste immer auch ein Tab-Flipping aus, sofern dies aktiviert war). Viel Spaß mit der neuen Version (1.2.1)!

AESy IconAußerdem habe ich mein vor einigen Monaten entwickeltes Mini-Tool AESy online gestellt (der etwas merkwürdige Name leitet sich vom digitalen Audio-Datenstromformat AES/EBU ab, das im professionellen Audio-Umfeld verwendet wird). Auch wenn das Tool seit einiger Zeit in mehreren Fernseh-Ton-Regien innerhalb der ARD tatsächlich zum Einsatz kommt, um die Soundausgabe softwarebasierter Sample-Player in Verbindung mit günstigen USB-Soundkarten unterbrechungsfrei zu machen (und auch ursprünglich hierfür entwickelt wurde), so kann es doch auch für Heimanwender einen recht hohen Nutzwert haben:

Wer seinen PC über S/PDIF oder HDMI an seinen Heimkino-Receiver oder Verstärker mit digitalem Audioeingang angeschlossen hat, kennt eventuell das Problem, dass immer dann, wenn längere Zeit kein Sound vom PC ausgegeben wurde, der Anfang des jeweils nächsten Sounds (z.B. der Song-Anfang des nächsten Stücks) abgeschnitten wird, weil der AV-Receiver ein paar Millisekunden braucht, um sich erneut auf den S/PDIF-Bitstrom zu synchronisieren. Das passiert insbesondere bei Laptop-Soundkarten, die den S/PDIF-Strom komplett abschalten, wenn einige Sekunden kein Sound mehr durch den Soundtreiber ausgegeben wurde.

Wen das nervt, für den ist AESy das richtige Tool. AESy löst das Problem durch kontinuierliche Erzeugung eines stummen Audio-Streams ("Leerrahmen") einer ausgewählten Sample-Rate. Es bietet darüber hinaus noch die Möglichkeit, einen 1-kHz-Pegelton (Sinuston) zu generieren. Es kann auf meiner Download-Seite für persönliche und nichtkommerzielle Zwecke kostenlos heruntergeladen werden. Zu nichtkommerziellen Zwecken zähle ich im Fall dieses Programms auch den Einsatz in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie in Bildungseinrichtungen.

Update für FLST (Focus Last Selected Tab) für Firefox 29 verfügbar

Montag, 12. Mai 2014

FWW-FLST Logo-GrafikIn den letzten Tagen erreichten mich vermehrt Kommentare, dass mein Firefox-Add-On “Focus Last Selected Tab” (FLST) für Firefox 4 und höher unter dem neuen Firefox 29 nicht mehr ganz das tut, was es soll: Tab-Flipping funktioniert zwar noch, aber die Funktion, den zuletzt fokussierten Tab beim Schließen eines Tabs automatisch anzuwählen, funktioniert nicht mehr, wenn man einen Tab per Klick auf den “X”-Button schließt. Beim Schließen von Tabs mittels Tastatur-Shortcut funktionierte alles wie gehabt.

Da ich selbst aufgrund der neuen Oberfläche von Firefox 29, mit der ich mich irgendwie noch nicht so recht anfreunden kann, derzeit die ESR-Version von Firefox 24 weiternutze, wurde ich erst durch die Benutzer-Reviews auf den Fehler aufmerksam und habe mich dessen nun angenommen. Seit heute steht auf der Mozilla-Add-On-Webseite eine aktualisierte Version (1.1.5) bereit, die das Problem behebt und auch unter Firefox 29 und höher einwandfrei funktioniert.

Benutzer, die automatische Add-On-Updates in Firefox aktiviert haben, kommen automatisch in den Genuss des Updates.

Darüber hinaus habe ich das Add-On mit diesem Update auch kompatibel zu SeaMonkey 2.x gemacht; ein Wunsch, der ebenfalls schon seit Monaten immer mal wieder aus der SeaMonkey-Gemeinde an mich herangetragen wurde.

Ich hoffe, mit diesem Update allen Firefox-29- und SeaMonkey-Usern den Wochenstart etwas versüßen zu können!

Viele Grüße,
Fabian

R.I.P. Winamp

Mittwoch, 20. November 2013

Update 3 (01.02.2014): Winamp wurde nun von Radionomy S. A. übernommen und soll nach deren Angaben weiter entwickelt werden. Dass es mit Winamp weitergeht, scheint nun sicher; wie es weitergeht, bleibt spannend…
Update 2 (21.12.2013): Winamp.com wurde am 20. Dezember 2013 entgegen der vorherigen Aussage von AOL nun doch nicht abgeschaltet. Es geht das Gerücht, dass Microsoft und/oder Spotify an einem Kauf von Winamp interessiert sind – wie es weitergeht, ist völlig offen. Die Version 5.666.3516 steht einstweilen weiter auf Winamp.com zur Verfügung.
Update 1 (12.12.2013): Eine weiter fehlerbereinigte, letzte Version 5.666 Build 3516 wurde veröffentlicht.

Mit größtem Entsetzen musste ich heute den Release Notes der neuen Winamp-Version 5.66 entnehmen, das dies das Ende von Winamp sein wird. AOL schreibt:

This will be the last AOL/Nullsoft release of Winamp :-(
See the download page for more info.

Quelle: http://forums.winamp.com/showthread.php?t=373755

Am 20. Dezember soll Winamp.com abgeschaltet werden und der Player nicht mehr zum Download verfügbar sein.

Ich habe es zuerst für einen schlechten Scherz gehalten.

Seit circa 16 Jahren hab ich nichts anderes als Winamp benutzt, um meine Musik abzuspielen. Winamp war einfach ein “Gefühl” – das Gefühl, alle Musik blitzschnell im Zugriff zu haben, das Gefühl, einen bis ins letzte Detail anpassbaren Medienplayer zu benutzen, das Gefühl, einen Player zu haben, der eben etwas anders “tickt” als alle anderen (wer die Winamp-Playlist und das Jump-To-File-Fenster kennt, weiß bescheid – und liebt es entweder oder hasst es).

Und vor allem das Gefühl, eine Community aus Entwicklern und Nutzern zu haben, bei der auf Wünsche der User (wie viele Funktionen sind eigentlich meine “privaten Extrawürste” gewesen!) richtig eingegangen wurde (Danke Egg, danke DrO, danke Koopa, danke Benski &c). Danke für den besten Medienplayer aller Zeiten! Danke für meinen “Manual Playlist Advance”-Global-Hotkey, danke für ANSI-Tags, danke für 24bit-Support.

DANKE FÜR 16 JAHRE WINAMP!

(Und: danke für das Fixen des (total unwichtigen) Bugs

” * Fixed: [gen_tray] Lockup/double-start issues when using the ‘Prev’ action”,

den ich vor 7 Jahren gemeldet habe. Und den ihr euch aufgespart habt. Fürs letzte Release, das ihr heute veröffentlicht habt. Galgenhumor? ;))

Alle, die ebenso schockiert sind von dieser Nachricht, sollten Winamp 5.66 jetzt schnell noch herunterladen, bevor es zu spät ist. Der Player ist natürlich weiter nutzbar – die neue Version ist (wie eigentlich auch schon die letzten paar Releases) ziemlich fehlerfrei und “so ziemlich perfekt”, wenn man das für Software überhaupt behaupten kann.

Hier noch ein Artikel mit den traurigen Fakten: http://www.engadget.com/2013/11/20/winamp-shutting-down/

So, und ich muss das jetzt erst mal ein bisschen verarbeiten…

Herzlichst, euer
Fabian

CMon und panaTray im Downloadbereich verfügbar

Freitag, 14. Juni 2013

Update 3 (29.08.2014): Seit heute ist auch mein kurz nach panaTray fertiggestelltes Tool samyTray, das panaTray nachempfunden ist, allerdings statt Panasonic-Fernsehern Samsung-Fernseher steuert, im Downloadbereich von heise online gelistet.
Update 2 (27.06.2014): CMon ist seit heute ebenfalls im Downloadbereich von heise online gelistet und steht dort zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Update 1 (15.12.2013): panaTray ist seit heute auch im Downloadbereich von heise online gelistet und steht dort zum kostenlosen Download zur Verfügung.

CMon in Aktion

Nach einer längeren Pause mal wieder etwas Aktivität auf Fabians WebWorld, der Seite mit dem unaussprechlichen, historischen Namen: ein alter Bekannter aus dem IP-Phone-Forum, CMon, kommt jetzt offiziell in den Downloadbereich. Das mittlerweile auch schon fünf Jahre alte Tool aus meiner Feder, das aber nach wie vor gute Dienste leistet, indem es Benutzern einer FRITZ!Box Fon einfach anzeigt, wenn jemand anruft, erfreute sich unter IPPF-Mitgliedern einiger Beliebtheit und wurde von einigen Usern sogar weiterentwickelt. Das gute alte Original (das ich immer noch bevorzuge) steht jetzt hier zum Download bereit.

panaTray in Aktion

Außerdem habe ich ein ähnliches Tray-Helferlein für Besitzer eines Panasonic Smart-TVs (Viera) geschrieben: panaTray. Es ist im Moment noch bewusst einfach und recht unflexibel, stellt die – von mir – am häufigsten benutzten Fernbedienungsbefehle im Tray bereit. Es funktioniert (getestet) mit dem Panasonic TX-L47ETW50, sollte aber eigentlich mit vielen anderen Smart-TVs der 2012er und 2013er-Modellreihen ebenfalls funktionieren. Praktisch, wenn man am Rechner sitzt, die Fernbedienung aber auf der Couch liegt und man mal eben den Ton des Fernsehers stummschalten will. Wer Funktionen vermisst, gebe mir Feedback per Mail, Twitter, App.net, Blogkommentar oder sonstwie!

Einen schönen Sommeranfang euch allen!
- Fabian

Update für FLST (Focus Last Selected Tab) für Firefox 15 verfügbar

Donnerstag, 30. August 2012

FWW-FLST Logo-GrafikBenutzer meines Firefox-Add-Ons “Focus Last Selected Tab” (FLST) für Firefox 4 und höher werden in den letzten Tagen festgestellt haben, dass es nicht mehr möglich ist, einen neuen Tab per Mausklick auszuwählen. Grund dafür ist das Update auf Firefox 15, bei dem eine Änderung eingeführt wurde, die das Wechseln zwischen Tabs betrifft. Dabei wurde ziemlich tief in den Code eingegriffen und zwar an einer Stelle, an der zuvor seit mindestens zehn Versionen nichts geändert wurde. Leider macht es diese Änderung Erweiterungen wie FLST (aber auch vielen anderen) nicht mehr ohne weiteres möglich, festzustellen, dass gerade auf einen nicht fokussierten Tab geklickt wurde. Letztendlich führt das dazu, dass die FLST-Extension nicht nur nicht mehr funktioniert, sondern das Tab-Selecting in Firefox gänzlich durcheinanderbringt. Doch genug der Technik: Ein Fix für das Problem ist verfügbar!

Die neue Version 1.1.4, die das Problem mit Firefox 15 (und höher) behebt, wurde auf addons.mozilla.org hochgeladen und ist nun offiziell verfügbar. Benutzer, die automatische Add-On-Updates in Firefox aktiviert haben, kommen automatisch in den Genuss des Updates. Alle anderen können unter Extras -> Add-Ons -> “Einstellungs”-Icon -> Auf Updates prüfen manuell auf Updates prüfen.

Beste Grüße,
Fabian

English summary

To all users of my FLST (Focus Last Selected Tab) Firefox Add-on: An updated version which fixes the problem with Tab flipping in Firefox 15 and above is now available. If you have set up Firefox for automatic Add-on updates, the new version will be delivered automatically to you. Otherwise, you can check for updates manually in the Add-on manager.

Best regards,
Fabian

Bordcomputer nachrüsten beim Seat Ibiza 6J – geht nicht? Geht doch!

Samstag, 12. Mai 2012

Multifunktionsanzeige beim Seat Ibiza 6J (Anzeige: Durchschnittsverbrauch)Als ich vor mittlerweile mehr als zwei Jahren mein neues Auto, einen Seat Ibiza 6J, bestellt habe, hab ich auf ein angebotenes “Extra” verzichtet, das mir mit 300 Euro doch etwas teuer schien: Den “Bordcomputer”, im VAG-Jargon “Multifunktionsanzeige” genannt. Den gab’s vor allem nur in Verbindung mit dem Tempomaten, den ich nun wirklich nicht zu brauchen glaubte (wobei ich dessen Abwesenheit mittlerweile sogar schade finde, man wird halt bequem… ;-).

Jedenfalls habe ich auf beides verzichtet und konnte damit auch gut leben, denn damals war allein schon die Anwesenheit einer Digitaluhr und eines Drehzahlmessers ein riesiger Fortschritt gegenüber meinem B-Corsa, den ich vorher fuhr.

Bis ich mehr oder weniger aus Zufall Einblick in einen Stromlaufplan eines VW Polo 6R (gleiche Plattform wie der Seat Ibiza 6J) erhielt, jedenfalls in den Teil, der sich mit der Multifunktionsanzeige (MFA) befasste. Da traute ich meinen Augen nicht: Alles, was die Multifunktionsanzeige an Hardware-Teilen ausmachte, waren im Grunde drei Taster sowie die drei zugehörigen Drähtchen, um diese an das Kombiinstrument (Tacho) anzuschließen – insgesamt alles Pfennigsartikel, vor allem im Hinblick darauf, was dieses Extra ab Werk kosten sollte!

Von da an war mir klar, das muss ich haben. Vorher war ich nämlich irgendwie davon ausgegangen, dass die ganzen Werte, die der Bordcomputer anzeigen kann (wie Momentanverbrauch, Durchschnittsverbrauch, Restreichweite etc.) auf Daten von Sensoren beruhen, die einfach in Autos ohne MFA nicht verbaut sind.

Ich war aber nun ja eines besseren belehrt und wusste: Die nötigen Daten sind alle auf dem CAN-Bus A (Antriebsstrang) vorhanden, an welchen auch das Kombiinstrument angeschlossen ist und von wo es auch z.B. die Drehzahl für den Drehzahlmesser her bekommt.

Oder im Klartext: Mein Auto berechnete von Anfang an die Werte für den Momentan- und Durchschnittsverbrauch, Reichweite, Durchschnittsgeschwindigkeit usw. – und zeigte sie mir nur nicht an! Was mir fehlte, war im Grunde bloß die Wippe, um zwischen den Werten umzuschalten. Bei mir stand in der entsprechenden Zeile des Kombiinstruments immer nur statisch die Außentemperatur.

Also habe ich Teilekataloge gewälzt und herausgefunden, welchen Lenkstockschalter ich für mein Modell benötige – Erkenntnis hier: Es gibt nur wenige Modelle, nämlich die mit MFA-Wippe (am rechten Hebel), die mit GRA-Wippe (Geschwindigkeitsregelanlage, “Tempomat”) am linken Hebel, die mit beiden Wippen, sowie die ganz ohne. Letzterer war in meinem Auto verbaut.
Der richtige Hebel war schnell gefunden, leider ändert der VAG-Konzern sehr häufig die Teilenummern und so fand ich von diesem Hebel mindestens 4 Varianten, einmal mit leicht anderem Design (wurde irgendwann mal geändert), auch die Bedruckung (Schriftart und Symbole) unterscheiden sich leicht. Schlussendlich habe ich das richtige Teil gefunden und direkt bei Seat beschafft, was zwar teurer war als gedacht, aber das war mir der “Spaß” wert.

Der Einbau gestaltete sich leider auch schwieriger als er hätte sein müssen, das lag aber einzig und allein daran, dass sich mein Seat-Autohaus mehr als ungeschickt angestellt hat. Mehrfach wurden Stecker nicht richtig aufgesteckt, daher erkannte die Wegfahrsperre den Schlüssel nicht mehr, verschiedene Codierungen wurden zuerst falsch gesetzt etc. – am Schluss hat zwar alles funktioniert, ich kann aber nur jedem raten, der es sich zutraut: Macht es selbst. Es ist billiger und wahrscheinlich sogar stressfreier – in meinem Fall wäre es das auf jeden Fall gewesen. Nur das mit dem Lenkrad abbauen hatte ich mir nicht zugetraut (allein schon weil mir der VW-Spezial-”Innenvielzahn” dafür gefehlt hat), als ich aber gesehen habe, mit wie wenigen Handgriffen der Mechaniker bei Seat das erledigt hat, kann ich auch nur sagen: Wer keine zwei linken Hände hat, sollte das ohne Probleme hinbekommen.

Langer Rede kurzer Sinn: Nun habe ich endlich eine funktionierende Multifunktionsanzeige (siehe Foto) und bilde mir sogar ein, durch die Anzeige des Momentanverbrauchs meinen “Gasfuß” besser auf das Auto abstimmen zu können und sparsamer zu fahren.

Nun will ich aber auch endlich zu dem kommen, was ich eigentlich mitteilen wollte, nämlich was man denn nun tun muss, um auch in den Genuss der MFA zu kommen. Nur den neuen Lenkstockhebel einbauen ist nämlich nicht alles, denn leider spart VW an jedem Cent und hat im Kabelbaum zwischen Lenkstockschalter und Kombiinstrument die drei Drähtchen für die MFA-Bedienung (Wippe hoch, Wippe Runter, Reset-Taste) tatsächlich weggelassen, wenn man keine MFA ab Werk hat. Außerdem muss noch die Multifunktionsanzeige im Kombiinstrument per Codierung freigeschaltet werden, das dauert jedoch, wenn man es richtig macht, nur 3 Minuten.

Also, erstmal zu den benötigten Teilen: als wichtigstes Teil wäre da natürlich der neue Lenkstockschalter.

Wer keine GRA (Tempomat) besitzt, benötigt folgendes Teil (Lenkstockhebel mit MFA, jedoch ohne GRA):

7H0 953 513 A

Bei VAG wurde diese Nummer mittlerweile zunächst durch die

7H0 953 503 GC

und später durch die

7H0 953 513 L

ersetzt. Die ersten beiden Nummern habe ich nur angegeben, damit ihr danach bei eBay suchen könnt, wo es diesen Hebel in verschiedenen Varianten noch gibt.

Wer bereits eine GRA (Tempomat) hat, braucht eine andere Teilenummer, in Foren liest man hierzu oft die

7H0 953 513 C

die allerdings auch schon ersetzt wurde. Euer VW/SEAT-Händler wird euch die aber sicher raussuchen können.

Übrigens: Das Ganze gilt auch für den VW Polo 6R, der ja, wie oben schon angesprochen, dem Seat Ibiza 6J ziemlich ähnlich ist. Hier sind nur die Teilenummern der Lenkstockschalter anders, im Prinzip müsst ihr nur aus dem “7H0″ vorne ein “6R0″ machen. Fragt im Zweifel aber nochmal bei VW nach. Übrigens: Passen tun beide, sie haben nur, wie oben erwähnt, leicht anderes Design und ‘ne andere Schriftart. Mechanisch und elektrisch sind sie kompatibel. Wer sich also daran nicht stört, hat bei eBay ne größere Auswahl…

Außerdem braucht ihr noch 3 Kabel zur Herstellung der Verbindungen zu den Tastern (siehe unten). Für die Herstellung der Verbindungen bieten sich die VAG “Reparaturkabel” (Einzelleitungen) mit Teilenummer 000 979 009 (A) an. Das A steht hier nur für “mit Goldkontakten”, und das ist an der Stelle recht egal.

Zum eigentlichen Einbau des Lenkstockhebels (damit verbunden ist ein Ausbau des Lenkrads) will ich mich gar nicht groß auslassen, dazu gibts sehr schöne Anleitungen im Internet. Gleiches gilt für den Ausbau des Kombiinstruments. Hier nur noch die Angabe, welche Pins am Lenkstockhebel mit welchen Pins am Kombiinstrument verbunden werden müssen (siehe auch Stromlaufplan):

Pin 24 am Stecker des Lenkstockhebels (T41) mit Pin 21 am Stecker des Kombiinstruments (T32),
Pin 23 am Stecker des Lenkstockhebels (T41) mit Pin 22 am Stecker des Kombiinstruments (T32),
Pin 18 am Stecker des Lenkstockhebels (T41) mit Pin 23 am Stecker des Kombiinstruments (T32).

Dazu einfach die entsprechenden Enden der “Reparaturkabel” in die Kammern der Steckerblöcke stecken, dabei drauf achten dass sie fest sitzen und ihr euch bei den Pin-Nummern nicht verzählt. Vor allem beim Stecker T41 ist das etwas knifflig, da einige “Lücken” mitgezählt werden und andere nicht, außerdem beachtet, dass die oberste Reihe (Pins 1-14) nicht direkt an den Lenkstockschalter selbst gehen, sondern an die auf den Schalter aufgesteckte “Wickelfeder” (nichts anderes als ein aufgerolltes Flachbandkabel im Plastikgehäuse, das den Airbag versorgt, und natürlich drehbar sein muss). A propos Wickelfeder: Achtet drauf, die beim Ausbau des Lenkrades nicht zu verdrehen, denn wie gesagt, da drin ist ein Flachbandkabel, das von der Mittelstellung aus genau eine Umdrehung nach rechts und eine Umdrehung nach links ab- bzw. weiter aufgewickelt werden kann. Vertut man sich da um eine Umdrehung, ist das Kabel beim nächsten Einschlagen des Lenkrads ganz schnell putt, der Airbag funktioniert nicht mehr und das will ja keiner… Außerdem enthält das Gehäuse der Wickelfeder auch den Lenkwinkelsensor, der dem ESP den aktuellen Einschlag mitteilt. Dreht man zu viel da dran rum, so muss man nach Einbau des Lenkrads hinterher die “Grundeinstellung Lenkwinkelsensor” durchführen, was auch kein Beinbruch ist, aber nervig ist. Spätestens dann müsst ihr in die Werkstatt, sonst meldet das ESP-Steuergerät laufend Fehler. Tipp: Wickelfeder mit nem Stück Tesa fixieren, solang das Lenkrad ab ist.

Ist alles verbunden und umgekehrt wieder eingebaut, müsst ihr noch im Kombiinstrument die Multifunktionsanzeige freischalten. Macht das entweder beim freundlichen VW- oder Seat-Händler um die Ecke, oder sucht euch jemanden mit VCDS in eurer Nähe.

Folgende Codierung muss geändert werden:
Steuergerät:  Adresse 17 – Schalttafeleinsatz (Kombiinstrument, “KOMBI”)
Zu änderndes Bit:  Byte 1, Bit 3 muss auf “1″ gesetzt werden.

Beispiel anhand meines Autos:
Alte Codierung = 110200, neue Codierung = 110A00

Ja, das war’s auch schon! Klingt alles furchtbar kompliziert, ich würde aber sagen, wenn man mit Ruhe dran geht und es noch nie gemacht hat, sollte man es trotzdem innerhalb einer Stunde schaffen. Ich möchte zum Schluss noch darauf hinweisen, dass ihr alles, was ihr an eurem Auto schraubt oder sonstwie verändert, allein auf eigene Gefahr geschieht. Ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden oder sonstige Folgen, die aus dem (richtigen oder falschen) Befolgen dieser kleinen Anleitung entstehen. Bitte lasst es im Zweifelsfall lieber beim “freundlichen Seat-Händler” machen. Die ganze Anleitung habe ich übrigens auch für das Seat-Forum als bebildertes PDF zusammengefasst, das ihr unter diesem Link findet.

So viel von mir zum Wochenende – jetzt viel Spaß beim Basteln und allzeit gute Fahrt!
Viele Grüße, Fabian